Unser lieber Skipper nimmt es ja wirklich ganz genau. Gut, wir wollen und sollen
alle gute Segler werden, aber uns deshalb die ganze Zeit wie Wurmsperma zu
behandeln - eine harte Schule. Und zwar egal bei welcher Angelegenheit. Sei es,
dass man beim hart-am-Wind-Kurs nur ein halbes Grad zu weit abfällt oder anluvt
("Auf der Illbruck darf man das auch nicht.") oder ob man im
Stadthafen von Sonderburg im Paket festgemacht hat und deshalb nur noch einmal
am Tag auf`s Klo gehen darf ("Wir wollen unseren Nachbarn ja nicht dauernd
übers Vordeck trampeln!"). Und sei eine Klampe noch so schön belegt oder
ein Tauwerk mit noch soviel Liebe aufgeschossen - der Skipper würgt Dir
einen ´rein ("Was ist das für ein Gezummsel?").
So wunderte es natürlich auch an diesem Morgen niemanden, dass wir zu absolut
unchristlicher Zeit aufstehen und sowohl Schiff als auch Frühstück klarmachen
müssen, während sich unser Herr und Meister schön zur Morgentoilette
abgesetzt hat. Neun Uhr ablegen - wir sind soweit, aber der Skipper fehlt. Ha!
Jetzt haben wir ihn. Diesmal ist er Schuld. Nur dieses einzige Mal. Alles an
Bord wird noch mal überprüft. Er darf jetzt nichts finden, woran er was
aussetzen könnte. 9 Uhr 25: Käptn an Bord. Auf Nachfrage, wo er denn bleibe,
poltert er sofort los, greift sich den Schwächsten aus der Mannschaft ´raus
und macht die arme Sau rund. "Hätt's ja schon ablegen können, um mich vom
Klo abzuholen. Ach nee, darfst ja nicht. Hast ja nicht mal ´nen Lappen!"
Also, nicht mal kritikfähig, der Gute. Einmal angepfiffen kratzt und beisst er
wie ein kleines, dänisches Mädchen.
Das für den heutigen Tag wieder harter Wind und schwere See angesagt ist, passt
ihm natürlich herrlich in Kram. Wir wollen es ja angeblich nicht anders. Schon
im letzten Jahr, als wir die ganze Segelei seiner Meinung nach zu leicht nahmen,
drohte er schon: "Ich werde euch noch wimmern hören: ,Ich will den
Hafen'!" Das Motto, das der Skipper für den heutigen Tag bereit hält,
lautet so denn: "Heute kriegen wir richtig auf`n Arsch!" Soll heissen,
Windstärke 6-7, Welle und Richtung Sonderburg schön gegenankreuzen. Das
kann dauern. Den Leuchtturm können wir schon sehen. Trotzdem prognotiziert der
Skipper: "Bis zum Leuchtturm noch vier Stunden. Wenn wir das geschafft
habe, gibt`s für jeden eine halbe Flasche Bier." Tatsächlich haben wir
reichlich zu tun. Es geht ´rauf und ´runter, hin und her. Das Wellen schlagen
über das Vorschiff, wer sich nicht irgendwie im schützenden Cockpit aufhalten
kann, hat sich mit seinem Lifebelt doppelt einzuklicken. Klitschnass sind
sowieso alle. In den dazugehörigen Schauerböen gibt`s noch mal ´ne Ladung
obendrauf.
Gleichzeitig kann uns aber auch nichts entmutigen. Schliesslich geht es nach
Sonderburg, unser aller Lieblingshafen. Die malerische Kulisse im Stadthafen und
außerdem dieses spektakuläre Nachtleben mit der schon so oft beschriebenen
Damenwelt. Die Um- und Beschreibung der letzteren vermag somit die
Stimmung an Bord auch unter diesen widrigen Umständen hochzuhalten. Von
Lichtgestalten ist die Rede, von Miniaturhecken, aber auch von skandinavischen
Riesenweibern bis hin zu dem umgangssprachlichen Bild der durchgebimsten
Kokanutten.
Unter zu Hilfe nahme der Phantasie und der mittlerweile auch schon gediegenen
seglerischen Performance kann uns also nichts mehr schrecken. Wir erreichen
Sonderburg äußerst entspannt. Leider fällt das obligatorische Pölser-Wettessen
dem Ladenschlussgesetz zu Opfer. Wir veranstalten ein köstliches Resteesssen,
um anschliessend mal zu gucken, was es denn so heute abend noch zu erleben gibt.