28.6. - Anlegeschluck


Letzter Tag auf dem Mimöschen II, unserer 37-Fuß-Yacht, die wir aufgrund ihres betagten Zustands nach einer Woche liebevoll "unseren Musikdampfer"  nennen.  Zugegeben, zunächst machte der Schlorrn einen amtlich ausgeleierten Eindruck, aber nach Klarierung der Reffs, Austauschung der Fockschoten und Anschaffung einer vernünftig verrastenden Winschkurbel legt "unsere Muucke" eine beachtliche Performance hin. Unser ehrgeiziger Skipper vermag das letzte aus dem Charterschiff ´rauszuholen, mit dem Resultat, dass uns in einer Woche niemand überholt hat.

So gehen wir auch den letzten Schlag von good old Sonderborg nach Marina Minde sportlich an. Der Skipper lehrt Saturno, aus den aufkommenden Böen wertvolle Höhe herauszukitzeln. Mit Erfolg: Das erste konkurrierende Boot wird gleich mal in Lee überholt und vernascht. Der düpierte Segler schießt in Wind, tut so, als ob irgendwas zu reffen wäre. Weiter geht's. Die Flensburger Förde entpuppt sich wieder mal als heimtückisches Bermudadreieck. Eine schwarze Wand rast auf uns zu. Sollten wir erneut richtig auf'n Arsch kriegen? In der Tat. Ein heftiges Gewitter rollt über uns hinweg. B.I.G. und Billa ´raus auf's Vorschiff. Reff drei im Hanging-Off und voller Breitseite belegen. Gleichzeitig verabschiedet sich mit einem lauten Knall die für's Rollfock zuständige Curryklemme erneut. So soll's sein. Die heftigen Regengüsse reduzieren die Sicht auf unter 100m. "Eigentlich müssten wir die rote Fahrwassertonne jetzt Backbord voraus sehen..." - "Mit eigentlich kann ich jetzt nichts anfangen!", bellt der Skipper zurück. Aber alles bleibt unter Kontrolle. Selbst die Gewitterböen mit Windstärke acht bringen die IPC am letzten Tag nicht mehr aus der Ruhe. Wenden, reffen, navigieren, an- und ablegen - alles klappt reibungslos. Der Skipper hat die Crew gut eingestellt. Manchmal gibt's sogar ein kleines Lob.



So kommt es zur finalen Regatta. Ein Schiff unserer Größe hat genau in unser Fahrwasser ´reingewendet. Die wollen's also wissen. Kaum ´raus aus dem Gewitter, ertönt das Kommando: "Raus mit dem Reff! Wir setzen jeden Fetzen."  Der 12 Jahre alte Musikdampfer macht sich auf der Zielgerade noch mal richtig lang. Das andere Boot wird amtlich eingedampft. Doch anstatt, dass die Verlierer ihren Schiffsrumpf von innen mit der Axt aufhacken und den Kahn in der Flensburger Förde aus Schmach selbst versenken, kommen sie eine Viertelstunde später auch in den Yachthafen von Marina Minde. Und siehe da: Es ist die "Independance", das nagelneue Vorzeigeschiff unseres Vercharterers. Es erübrigt sich jeder Kommentar.

Drängelei dann an der Tankstelle. Wir machen in Warteposition in einer Box fest, während sich Independance und Calypso mit 1a-Schwachsinns-Manövern schön vom Wind an die Poller treiben lassen. Beim Sieger-Bier konstatieren wir, dass IPC-sein auch bedeutet, immer wieder andere Crews schmal gucken zu lassen. Die Nerds haben sich amtlich blamiert. Beim Ablegemanöver von der Tankstelle wird's dann ein letztes Mal spannend. Der Wind hat nochmals zugenommen und drückt uns an den Steg. Wir können uns nur mit einem Kabinettstückchen befreien. Boot achtern am Steg festmachen, Fender dazwischen, Ruder hart Steuerbord, Maschine volle Kraft zurück - Chicago-Wende. Das hat gesessen.



Die IPC#5 - LuPa2002 ist zu Ende. Der Spaß war unermesslich. Einzig eine Frage blieb offen: Wie konnten in Sonderburgs Disco "Buddy Holly" drei Bier 17 Euro kosten? 17 ist doch als Primzahl gar nicht durch drei teilbar. Na schön.

Schapp, wir gehen!