Letzter Tag auf dem Mimöschen II, unserer 37-Fuß-Yacht, die wir aufgrund ihres
betagten Zustands nach einer Woche liebevoll "unseren Musikdampfer"
nennen. Zugegeben, zunächst machte der Schlorrn einen amtlich
ausgeleierten Eindruck, aber nach Klarierung der Reffs, Austauschung der
Fockschoten und Anschaffung einer vernünftig verrastenden Winschkurbel legt
"unsere Muucke" eine beachtliche Performance hin. Unser ehrgeiziger
Skipper vermag das letzte aus dem Charterschiff ´rauszuholen, mit dem Resultat,
dass uns in einer Woche niemand überholt hat.
So gehen wir auch den letzten Schlag von good old Sonderborg nach Marina Minde
sportlich an. Der Skipper lehrt Saturno, aus den aufkommenden Böen wertvolle Höhe
herauszukitzeln. Mit Erfolg: Das erste konkurrierende Boot wird gleich mal in
Lee überholt und vernascht. Der düpierte Segler schießt in Wind, tut so, als
ob irgendwas zu reffen wäre. Weiter geht's. Die Flensburger Förde entpuppt
sich wieder mal als heimtückisches Bermudadreieck. Eine schwarze Wand rast auf
uns zu. Sollten wir erneut richtig auf'n Arsch kriegen? In der Tat. Ein heftiges
Gewitter rollt über uns hinweg. B.I.G. und Billa ´raus auf's Vorschiff. Reff
drei im Hanging-Off und voller Breitseite belegen. Gleichzeitig verabschiedet
sich mit einem lauten Knall die für's Rollfock zuständige Curryklemme erneut.
So soll's sein. Die heftigen Regengüsse reduzieren die Sicht auf unter 100m.
"Eigentlich müssten wir die rote Fahrwassertonne jetzt Backbord voraus
sehen..." - "Mit eigentlich kann ich jetzt nichts anfangen!",
bellt der Skipper zurück. Aber alles bleibt unter Kontrolle. Selbst die
Gewitterböen mit Windstärke acht bringen die IPC am letzten Tag nicht mehr aus
der Ruhe. Wenden, reffen, navigieren, an- und ablegen - alles klappt
reibungslos. Der Skipper hat die Crew gut eingestellt. Manchmal gibt's sogar ein
kleines Lob.

So kommt es zur finalen Regatta. Ein Schiff unserer Größe hat genau in unser
Fahrwasser ´reingewendet. Die wollen's also wissen. Kaum ´raus aus dem
Gewitter, ertönt das Kommando: "Raus mit dem Reff! Wir setzen jeden
Fetzen." Der 12 Jahre alte Musikdampfer macht sich auf der Zielgerade
noch mal richtig lang. Das andere Boot wird amtlich eingedampft. Doch anstatt,
dass die Verlierer ihren Schiffsrumpf von innen mit der Axt aufhacken und den
Kahn in der Flensburger Förde aus Schmach selbst versenken, kommen sie eine
Viertelstunde später auch in den Yachthafen von Marina Minde. Und siehe da: Es
ist die "Independance", das nagelneue Vorzeigeschiff unseres
Vercharterers. Es erübrigt sich jeder Kommentar.
Drängelei dann an der Tankstelle. Wir machen in Warteposition in einer Box
fest, während sich Independance und Calypso mit 1a-Schwachsinns-Manövern schön
vom Wind an die Poller treiben lassen. Beim Sieger-Bier konstatieren wir, dass
IPC-sein auch bedeutet, immer wieder andere Crews schmal gucken zu lassen. Die
Nerds haben sich amtlich blamiert. Beim Ablegemanöver von der Tankstelle wird's
dann ein letztes Mal spannend. Der Wind hat nochmals zugenommen und drückt uns
an den Steg. Wir können uns nur mit einem Kabinettstückchen befreien. Boot
achtern am Steg festmachen, Fender dazwischen, Ruder hart Steuerbord, Maschine
volle Kraft zurück - Chicago-Wende. Das hat gesessen.

Die IPC#5 - LuPa2002 ist zu Ende. Der Spaß war unermesslich. Einzig eine Frage
blieb offen: Wie konnten in Sonderburgs Disco "Buddy Holly" drei Bier
17 Euro kosten? 17 ist doch als Primzahl gar nicht durch drei teilbar. Na schön.
Schapp, wir gehen!