Reisen regt ja bekanntermaßen die Phantasie an. Wünsche entstehen, neue Ziele
werden formuliert. Irgendwann mal richtig segeln. Eigenes Schiff haben. Atlantik
überqueren. Jeder weiss, dass es bis dahin ein weiter Weg ist, aber heute können
wir schon damit anfangen. Schritt für Schritt. Und irgendwann mal....
Gestern konnten schon Engagement und Entschlossenheit unter Beweis gestellt
werden. Bis um halb sechs gefeiert inklusive Anschiss vom Hafenmeister, acht Uhr
aufgestanden, neun Uhr abgelegt. Die schon etwas ältere Crew auf dem
Nachbarschiff, die ob unserer kleinen Bordsfete auch kein Auge zugetan haben dürfte,
guckte in der Tat recht sparsam, als sie am Morgen unserer Performance gewahr
wurde.
Derart erfolgsverwöhnt fühlen wir uns zu Höherem berufen. Für heute ist der
ganz große Schlag angesagt. Der Skipper mahnt zwar wegen der nicht ganz
unkritischen Wetterlage zu Zurückhaltung, aber uns kann jetzt nichts mehr
aufhalten. Einmal querrüber über die Ostsee. Sieben Windstärken - lächerlich.
Nach Bargenkop soll`s gehen, da wo letztes Jahr unter unerklärlichen Umständen
morgens um halb fünf der sündhaft teure High-Tech-Grill von B.I.G.s Vater ins
Hafenbecken fiel. Wenn wir nun von Kiel dorthin segeln, kann die IPC ihren
eigenen Long-Distance-Rekord übertreffen, die restlichen 20 Schinkengriller
verwursten, den 6 Euro 90-Landmann-Grill ebenfalls vom Steg treten und das erste
Unterwasser-Barbecue-Museum Dänemarks eröffnen. Das ist der Stoff, aus dem
Legenden geboren werden.
Alles klar! So fahren wir ab. "Acht Uhr aufstehen und unter vollen Segeln
ablegen." Euphorie und Stolz klingen in Saturnos Stimme mit, als er den
Plan am Vorabend so pragmatisch manifestiert. Die ersten Crewmitglieder kriechen
dann tatsächlich schon um viertel vor elf aus ihren Kojen. "Mal
Wetterbericht hören. Kommt um 10 Uhr 58", wimmert ein zerknautschter
Saturno, als er das Deck irgendwie auch innerlich leidend erklimmt. Zu spät.
Wir haben's schon zehn nach elf. Mmmhhh....
Naja. Macht ja nichts. Kümmern wir uns erstmal um die wichtigen Dinge. Einen Bäcker
gibt's auf der Promenade der Kieler Woche natürlich nicht. Dafür ist selbige
aber auch schon wieder im vollen Gang. Da bieten sich Erwerb und Verköstigung
von 1a-Fischbrötchen zum Frühstück doch gerade zu an.

Bei der Gelegenheit kann gleich der Nachschub logistisch durchorganisiert
werden. Drei Kisten Astra und sechs Paletten Jever/Becks sind irgendwie alle.
Neues Bier muss ausgefasst werden. Bei der anschliessenden Beladung der Mimose
II mit dem wertvollen Stoff gehen vier Halbliterdosen Holsten Pilsener
aussenbords. Verdammt. Sowas darf einfach nicht passieren. Der Schuldige ist
schnell ausgemacht: "Billa! Badebuchs an! Klar bei Tauchretter!"
"Aber das Wasser ist doch kalt und schmutzig. Ich trink auch vier Bier
weniger heute zum Kaffee." "Los jetzt. Rein da!"
Mittlerweile hat der Kieler Mob die Szenerie auch genauestens mitgeschnitten und
verfolgt gespannt die nun anlaufende Rettungsaktion. Das Wasser ist eisig und
presst dem Akteur die Lunge zu, doch es gelingt gleich beim ersten Tauchgang den
ganzen Schatz auf Anhieb an die Wasseroberfläche zu befördern. Eine
respektable Leistung. Schade nur, dass der arme Billa sich seinen rechten Fuss
an Scherben oder Schrott beim Abdrücken vom Hafenbeckenboden aufschneidet. Und
irgendwie auch schade, dass bei der eigentlichen Bergung dann auch doch noch mal
zwei Dosen wieder ´reinfallen. Aber egal jetzt. Die Schuld ist gesühnt. Die
Partycrowd erlebte einen amtlichen IPC-Auftritt. Und alle Mann an Bord jetzt.
Irgendwann wollen wir denn auch mal los.

Gesegelt wird dann also auch. Kieler Förde ´raus und über den berüchtigten
Stollergrund. Dort wurde bislang noch jeder seekrank, nicht so die Besatzung
unseres Schiffes. Die Gefahrentonne Ausgang Stollergrund passieren wir angeblich
dreimal am heutigen Tag. Ansonsten ist aber an der Navigation und der gesamten
Besegelung nichts auszusetzen. Nur spät ist es geworden. Man kam dann doch
nicht so pünktlich los heute morgen. Das angestebte Pensum war auch einfach
nicht zu schaffen. So laufen wir wieder Damp an. Ein Hafen voller Erinnerungen
und einem herrlichen Strand für unsere Schinkenbegrillung. Wieder alles richtig
gemacht.
Die Schilderung der dazugehörigen Nacht unterliegt einer gewissen Interaktivität.
Die geringe Anzahl an Gästebucheinträgen in diesen Tagen veranlasst die IPC zu
einer Art Warnstreik. Gerade die Hood aus Norwegen oder Winkel sollte sich
dringend ihrer Verantwortung bewusst werden, sonst müssen einfach die
unbequemen Wahrheiten dieses schonungslosen Tatsachenberichts unter Verschluss
bleiben. Also bitte...