24. bis27-04-03: Das wüste Leben 

Tag 1

Nach mehr oder minder erholsamer Nacht erwacht die IPC gegen Mittag. Ein in diesem Urlaub bisher unbekanntes Phänomen ist urplötzlich aufgetreten, der Kater. Einzig mögliche Erklärung: Aufgrund der immensen Hitze in der Wüste müssen dem Bier Unmengen an Konservierungsstoffen beigesetzt sein, um es haltbar zu machen.

Frei nach dem Motto „Gegentrainieren oder wegspritzen“ wird beschlossen, ein gutes Frühstück einzuwerfen, und so begeben wir uns nach dem Auschecken ins Venician, Frühstück beim Italiener. Der Strip bei Tageslicht wirkt sympathischer als am Vorabend, was wir auf das gute Wetter zurückführen.

Das Frühstück vertreibt den Kater, der Plan ist aufgegangen. Auf dem Rückweg zum Wagen kann ich meine Garderobe um ein erlesenes Prachtstück erweitern.

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Jetzt nur noch schnell den nötigen Wüstenproviant einkaufen (Wasser, Fleisch und Bier), dann kann es losgehen ins Death Valley, das Tal der Untoten. Der Weg führt vorbei an der Area Fifty One, der amerikanischen Militärbasis, wo Atombombenversuche durchgeführt wurden und alle bis heute auf der Erde gelandeten Außerirdischen höchstwahrscheinlich gegen ihren Willen festgehalten werden. Wir stellen fest, das von hier auch die Aufnahmen der Mondlandung gekommen sein müssen. Schnell entbrennt eine leidenschaftliche Diskussion über Religion, Weltpolitik und Matrix II, das ganze Programm. Sehr gut, wir sind in Form, die Wüste kann kommen.

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Ich muss mir jetzt wahrscheinlich Vorwürfe anhören, ob ich ein bekackter Parkranger geworden sei, dennoch, die Wüste zieht mich (uns) in ihren Bann. Hitze, Weite, skurrile Vegetation. Hinter jedem Hügel das selbe Bild, Strasse, Kakteen und Sand. In dieser Szenerie fällt es schwer, nicht an nichts zu denken.

Der Campground liegt mitten in einer Dünenlandschaft, die Überzelte brauchen nicht aufgebaut zu werden. Und so eröffnet sich uns nach vollzogener Grillage im Heiabettchen ein überwältigender Blick aufs Firmament. Alles wird gut!

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Tag 2

In Europa würden wir auf jeden Fall als Proficamper durchgehen, hier in Amerika, wie sollte es auch anders sein, ist dem natürlich nicht so. Das Nichtvorhandensein von standardisierten Campinggas- Kartuschen und die Unkenntnis über die Rezeptur von Petroleum lassen auch die beste Outdoor- Ausrüstung aus der alten Welt schlecht aussehen. Und so ist eines unserer großen Probleme, dass wir morgens in der Wüste keinen Kaffee kochen können. Heute jedoch wissen wir uns zu helfen und fragen unseren aufdringlichen Zeltnachbarn, ob wir mal kurz seinen Kocher benutzen dürften, uns wären die „wie auch immer man die Teile hier nennt“ ausgegangen. Ihm bleibt gar nichts anderes übrig als ja zu sagen, immerhin hat er sich am Abend vorher als Naturliebhaber und Menschenfreund vorgestellt. Das kommt davon, wenn man sich ungefragt mit der IPC einlässt. So muss er jetzt halt sein eigenes Frühstück um ein halbes Stündchen verschieben.

Zelte abbauen und los, heute gibt es Extreme zu sehen. Den tiefsten und heißesten Punkt der USA, Devil´s Golf Course, Dante´s View, Zabriskie Point, Badwater, Salt Creek, Giant Dunes und und und. An manchen Stellen trauen wir uns nur mit mindestens drei Gallonen Trinkwasser weiter als 10 Meter vom Bus weg, weil wir sonst verdursten könnten, an anderen werden Schals und Pudelmützen übergestülpt, da sich die Temperaturen bedenklich dem Gefrierpunkt nähern. Ja, so ist das hier halt, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und zwischendurch sitzt man im klimatisierten Großraumwagen bei angenehmen 22 °C. Für mich hat das Ganze mittlerweile etwas Skuriles, irgendwie wird das Alles langsam etwas viel. Man fühlt sich ein wenig so, als sitze man vorm Fernseher auf der Couch und zappt durchs Fernsehprogramm, ohne mitzukriegen, was eigentlich läuft. Aber zweifeln tut man zu hause genug, hier ist Urlaub, also Augen zu und durch.

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Gegen Abend steuern wir die einzige Oase im Totental an, um dort unsere Einmann- Behelfswohnheime mittlerer Kategorie aufzustellen. Der Grill wird mit den letzten Petroleum- Reserven angezündet. Kurzzeitig stellt sich die Frage, für wie lange Olli, falls der ganze Nationalpark abgebrannt wäre, in amerikanischen Gefängnissen hätte verweilen müssen. An der Tankstelle werden die Akkus für Laptop und Digi- Cam aufgeladen. Der Betreiber, ein vollschlanker Mittvierziger, gibt sich hilfsbereit. So viel Strom könne das ja nicht werden, er würde auch immer die Batterien von Campern mit Elektro- Rollstühlen aufladen, da er die einzige Steckdose weit und breit besäße.

Stürmisch und kalt geht der Abend zu Ende, also zügig zu Bett.

 

Tag 3

Der nächste Tag soll uns zum Nationalpark Joschua Tree bringen, die nächste Wüste. Auch heiß, auch viel Sand, auch kein Wasser, aber auch irgendwie ganz anders, so Billa. Und er hat recht. Wir sehen die ersten Kaktanten, so, wir wir sie aus den Karl May Filmen, die hier übrigens völlig unbekannt sind, kennen. Und Berge, die aussehen, als seien sie aus Pappmache.

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Der Wildhüter am Parkeingang überrascht uns mit der Information, dass alle Campingplätze völlig ausgebucht seien. Nach kurzer Beratschlagung kommen wir überein, dass er das ja gar nicht wissen kann. Erstens ist er nur Parkranger, und Zweitens gibt es hier ja überall gar kein Telefon. Wir versuchen unser Glück also auf eigene Faust, IPC sein heißt auch manchmal, na ja, ihr wisst schon. Nach kurzer Suche auf dem ersten Platz finden wir, welch Überraschung, ein lauschiges Plätzchen inmitten einer gemütlichen Felsformation. Das Ganze hat so ausufernde Dimensionen, dass wir sogar noch ein amerikanisches High School Pärchen, Theresa und Clark, adoptieren können, die ihr Zelt 20 Meter weiter aufbauen.

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Unser Abendbrot besteht aus Brathähnchen, die kurz zuvor nebst echtem amerikanischen Budweiser eingekauft (der Kenner weiß, was wir durchgemacht haben) wurden. Oben auf einer Felsenspitze sitzend genießen wir die erste seit langer Zeit nicht selbst zubereitete Mahlzeit und den Sonnenuntergang. Unser letzter Campingplatz ist auch der schönste, alles richtig gemacht.

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Tag 4

Dann der Heimreisetag, Billa muss morgen wieder arbeiten. Wir klappern noch schnell die letzten Sehenswürdigkeiten im Joschua Tree ab und versuchen uns im Free- Climbing.

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Doch irgendwann ist der Kaffeedurst so groß, dass wir schnellstens den Park verlassen müssen, um einen Starbucks zu suchen. Dieser Tempel amerikanischer Kaffeekultur ist uns dank Kochermangel in den letzten Tagen sehr ans Herz gewachsen. Das Personal ist nett und freundlich, sie schreiben immer unsere Namen, Clark, Walter und Will, auf die Becher, und der Preis ist mit ca. 3,50 Dollar pro Becher auch ganz in Ordnung. Auf dem Weg retten wir noch kurz Josch, dem Tree, der bei Bauarbeiten entwurzelt wurde, das Leben. Dieser verschönt jetzt Gregors Bude, aber das kann er auch selbst erzählen.

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Zurück in La, macht Billa große Wäsche, während Olli und ich uns den Bus vornehmen. Es gilt, die Spuren unserer wüsten Tour zu beseitigen. Deshalb fahren wir in einen amerikanischen Carwash, mit allem drum und dran. Besonders erwähnenswert ist der Waschschaum, der rosa ist, nach Erdbeere riecht und schmeckt und so schnell trocknet, dass man Stunden braucht, ihn wieder runter zu bekommen.

Nebenbei werden wir Zeuge einer echten „drive through“ Reparatur. Am Straßenrand steht ein roter Jetta mit einer ziemlich unglücklich aussehenden Fahrerin. Hinter ihr hält ein uralter „was auch immer das mal war“, diesem entsteigen 3 Mexikaner. Der erste bohrt mit einem Akkuschrauber ein Loch in den Kotflügel, in welches der zweite einen Ausbeul- Hammer steckt. Der dritte rührt in der Zeit Spachtelmasse an und trägt diese nach vollendeter Ausbebeulung fachmännisch auf. Nr. 1 schüttelt derweil eine Sprühdose in passender Wagenfarbe durch und lackiert nach einer Spachteltrocknungszeit von ungefähr 9 Sekunden die reparierte Stelle. Da die jetzt schon etwas glücklicher aussehende Dame zwischenzeitlich Nr. 2 schon irgendwelche Dollarscheine in die Hand gedrückt hat, kann Nr. 3 den Motor des „Werkstattwagens“ starten und alle drei treten die Heimreise an. Das Ganze hat keine 10 Minuten gedauert.

Amerika, hier geht so einiges.

Unser Wüstentrip ist durch, schön war´s gewesen. Schade, das Billa wieder zur Arbeit muss.