22.6. - Leinen los!
Wann wollten wir uns eigentlich mit dem Skipper und Füller treffen? 6 Uhr 20
oder doch erst um halb neun? Es kommen einfach alle zu spät. Unterwegs
schnappen auch die ersten Radarfallen zu. Macht nix. Die war bestimmt kaputt.
Die gebenedeite Fahrt führt uns über überfüllte Raststätten, auf denen
anreisende Dänemarkbesucher sich bereits zu spontanen Grillparties
zusammenrotten.
Die Bootsübergabe verläuft im Vergleich zum letzten Jahr mit dem leider durch
Freitod dahingeschiedenen Edmund "das sprechende Pferd" Finkensieper
zum Glück völlig gefahrlos. Unspektakulär aber auch unser Schiff. Die GibSea
372 scheint das Kassenmodell unter den Charteryachten zu sein. Die Anemos II hat
mittlerweile zwölf Jahre auf'm Fahnenmast und das durchgerockte Tauwerk war von
Anfang an dabei. Auch lässt die Ausstattung zu wünschen übrig: Kein Tisch in
der Plicht, keine kuscheligen Decken und Kissen und die ausgeleierten Winschen
stammen aus'm Quelle-Katalog. Der Wocken ist amtlich verdudet, läuft aber
hinter der ersten Tonne nach Marina Minde schon siebeneinhalb Knoten.
Zuvor jedoch ein Faux Pas: Beim Einladen des höchst wertvollen Schlauchboots,
ausgeliehen von dem bei diesen Angelegenheiten sehr sensiblen Webmaster
("ihr müsst nur auf eins achten, die Aluschienen können leicht mal
rausrutschen"), gehen dem B.I.G. dieselbigen irgendwie aussenbords. Eiseskälte
und Hafenbracke gilt es jetzt zu überwinden. Klar bei Tauchretter! Spektakulär.

Der erste Schlag von Marina Minde nach Sonderburg ist altbekannt, gerade richtig
zum warmsegeln. Viel wichtiger ist es, sich durch zeitiges Erscheinen einen
guten Platz im knapp bemessenen Stadthafen zu sichern. Ein seidenweiches
Anlegemanöver lässt das perfekte Zusammenspiel der Crew kurz aufblitzen.
Apropos: Erst Anlegeschluck, dann Blitzgulasch vom Skipper.
Ein Gedicht.
Dem Abendprogramm in Sonderburg gehen Legenden und Verheißungen aufs
phantasievollste voraus. Wir finden uns im Irish Pub ein, bei dem schon im
letzten Jahr bildhübsche, dänische Jungfohlen zu Hauf anwesend waren. Und tatsächlich:
Auch diesmal brechen bei der dänischen Partycrowd alle Dämme. Die Mädels
tanzen auf Tischen und Bücherregalen. Bedauerlicherweise ist kein Fotoapparat
zu hand. Die IPC kann diesem Anblick nicht mehr länger standhalten und muss das
Lokal verlassen. Aber auch auf der Anemos II geht mittlerweile einiges. Der
wegen Fußkrankheit an Bord gebliebene Skipper macht aus der Not eine Tugend,
und winkt eine Handvoll weiblicher Partygäste von der anderen Straßenseite zu
sich in die Plicht. Skandinavische Biere schiessen (Odense), Schnäpse trinken
und Verabredungen für nächsten Donnerstag treffen.
Na bitte.